Jörg Buchgeister im ZVOreport: Brandschutz in Galvaniken
Unser Geschäftsführer Jörg Buchgeister war wieder fleißig und hat für den ZVOreport einen Fachartikel verfasst:
Brandschutz in Galvaniken, wie Temperaturüberwachung Schäden vermeidet.
Das Thema betrifft jede Galvanik, die mit beheizten Bädern und Kunststoffbehältern arbeitet.
Zum ZVOreport geht es hier: https://www.zvo.org/publikationen/zvoreport
Dipl. Ing. Jörg Buchgeister
Geschäftsführer
Brandschutzexperte für Galvaniken

Warum Brände in Galvanikbetrieben besonders kritisch sind
Im Unterschied zu klassischen Industriebränden sind Schäden in Galvaniken häufig komplexer. Selbst wenn das Gebäude intakt bleibt, können kontaminierte Abluftanlagen, beschädigte Stromschienen oder zerstörte Prozessbäder den Betrieb monatelang lahmlegen.
Ein weiterer Risikofaktor: Viele kritische Komponenten arbeiten unbeaufsichtigt – etwa nachts oder am Wochenende. Fehler entwickeln sich schleichend, werden nicht sofort erkannt und eskalieren dann plötzlich.
Häufige Brandursachen: Technik als größter Risikofaktor
Ein erheblicher Teil der Brandereignisse in Galvaniken geht auf technische Defekte zurück. Besonders betroffen sind:
- beheizte Prozessbäder (Badwärmer)
- elektrische Kontakte und Stromschienen
- Schaltschränke und Sicherungselemente
Problematisch ist dabei weniger der einzelne Fehler als vielmehr dessen späte Entdeckung. Überhitzungen entstehen oft über längere Zeiträume – und bleiben ohne gezielte Überwachung unsichtbar.
Temperaturüberwachung als wirksame Präventionsmaßnahme
Moderne Temperaturüberwachung greift genau an diesen Schwachstellen an. Sie ermöglicht es, kritische Zustände frühzeitig zu erkennen und abgestuft darauf zu reagieren – bevor es zu Schäden oder Bränden kommt.
Redundanz bei Badwärmern
Ein zentrales Risiko besteht darin, dass Heizungen weiterlaufen, obwohl der Flüssigkeitsstand sinkt. Einzelne Temperaturfühler reichen hier oft nicht aus. In der Praxis bewährt haben sich redundante Konzepte, bei denen:
- mehrere Temperaturfühler eingesetzt werden
- zusätzliche Niveausensoren den Trockengehschutz absichern
- sicherheitsrelevante Abschaltungen manuell quittiert werden müssen
So lassen sich Fehlfunktionen zuverlässig erkennen, selbst wenn einzelne Sensoren ausfallen.
Überhitzte Stromkontakte frühzeitig erkennen
Hohe Dauerströme führen zwangsläufig zu Erwärmung – kritisch wird es, wenn Übergangswiderstände steigen. Ursachen sind häufig:
- lose oder korrodierte Verbindungen
- verschmutzte Kontaktflächen
- falsche Anzugsmomente
Temperatursensoren an Stromkontakten ermöglichen eine dreistufige Reaktionslogik:
- Warnung bei auffälligem Temperaturanstieg
- Störmeldung bei weiterem Überschreiten
- Automatische Abschaltung, wenn keine Reaktion erfolgt
Diese Vorgehensweise schafft Zeit zum Eingreifen, ohne den Betrieb unnötig früh zu unterbrechen.
Thermografie: Unsichtbare Risiken sichtbar machen
Nicht überall lassen sich Sensoren direkt montieren – insbesondere in Schaltschränken. Hier hat sich die Thermografie als effektives Werkzeug etabliert.
Regelmäßige Wärmebildaufnahmen unter Last machen:
- überlastete Sicherungen
- lockere Schraubverbindungen
- ungleichmäßige Stromverteilung
sichtbar. Entscheidend ist der richtige Zeitpunkt: Messungen sind besonders aussagekräftig, wenn die Anlage bereits auf Betriebstemperatur ist.
Anodenschienen: Sicherheit und Energieeffizienz verbinden
Überhitzte Anodenschienen stellen zwar seltener ein direktes Brandrisiko dar, verursachen aber erhebliche Energieverluste. Jeder erhöhte Übergangswiderstand wandelt elektrische Energie in Wärme um – und damit in Kosten.
Regelmäßige Wartung, saubere Kontaktflächen und korrektes Verschrauben senken nicht nur die Temperatur, sondern verlängern auch die Lebensdauer der Komponenten deutlich.
Wirtschaftlicher Nutzen vorbeugender Maßnahmen
Vorbeugender Brandschutz ist kein reiner Kostenfaktor. Im Gegenteil:
- geringere Energieverluste
- weniger ungeplante Stillstände
- längere Standzeiten von Bauteilen
- bessere Ausgangslage bei Versicherungen
machen Investitionen in Überwachung und Wartung wirtschaftlich sinnvoll. Schon kleine Spannungsverluste können sich bei hohen Strömen und langen Laufzeiten zu vierstelligen Jahresbeträgen summieren.
Organisation und Verantwortung im Betrieb
Technik allein reicht nicht aus. Entscheidend ist eine klare Organisation:
- feste Zuständigkeiten für Kontrolle und Auswertung
- dokumentierte Grenzwerte und Prüfintervalle
- geschultes Personal, das Warn- und Störmeldungen richtig interpretiert
Nur wenn Menschen und Systeme zusammenspielen, entfaltet Temperaturüberwachung ihren vollen Nutzen.
Fazit: Prävention statt Schadensbegrenzung
Brände in Galvaniken lassen sich nicht vollständig ausschließen – ihr Risiko jedoch deutlich reduzieren. Eine Kombination aus:
- redundanter Temperatur- und Niveauüberwachung
- kontinuierlicher Kontrolle elektrischer Kontakte
- regelmäßiger Thermografie
- strukturierter Wartung
schützt nicht nur Anlagen und Mitarbeiter, sondern auch die wirtschaftliche Zukunft des Betriebs.
Wer frühzeitig in Prävention investiert, senkt Risiken, spart Kosten und stärkt die eigene Wettbewerbsfähigkeit.
Haben Sie Fragen zum Brandschutz in Galvaniken und benötigen Unterstützung bei der Umsetzung?
Unser Experte Dipl. Ing. Jörg Buchgeister steht Ihnen
gerne zur Verfügung.

